Die Europäische Wildkatze, felis silvestris silvestris, zu erkennen am schwarzen Strich auf dem Rücken, drei schwarzen Kringeln an der Schwanzspitze und an einer rosa Nase. Foto: Störmer
Die Europäische Wildkatze, felis silvestris silvestris, zu erkennen am schwarzen Strich auf dem Rücken, drei schwarzen Kringeln an der Schwanzspitze und an einer rosa Nase. Foto: Störmer

BAD HARZBURG

 

Dienstag, 08.08.2017

 

Autor: Heinz-Georg Breuer

 

Wildkatzen: Harz als Einfallstor bestätigt

 

Bad Harzburg. Das vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) koordinierte Projekt „Wildkatzensprung“ hat jetzt nach sechs Jahren seinen Abschluss gefunden.

 

Es war eines der größten Naturschutzprojekte Europas und wurde mit 3,85 Millionen Euro aus Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert. Die in der vorigen Woche vorgestellten Ergebnisse sind auch von Belang für den Harz, wo bekanntlich an der B 4 hinter der Marienteichbaude demnächst ein Wildkatzen-Gehege entsteht und der schon bestehende BUND-Lehrpfad im Riefenbachtal zum dortigen Rundwanderweg hin verlängert wird. Beide Maßnahmen werden vom Land Niedersachsen mit insgesamt 330.000 Euro gefördert.

 

Auf dem Vormarsch

 

Zentrales Ergebnis des Projekts „Wildkatzensprung“ für die Harz-Region: Die gefährdete Europäische Wildkatze – zu erkennen am schwarzen Strich auf dem Rücken, drei schwarzen Kringeln an der Schwanzspitze und an einer rosa Nase – breitet sich im Südosten Niedersachsens wieder aus; in anderen Gebieten, die auch als Lebensräume geeignet wären, wurden dagegen noch keine Tiere nachgewiesen. Unterfüttert wird die Aussage durch Daten in der bundesweiten Wildkatzen-Gendatenbank, die der BUND entwickelt hat und die bereits jetzt als „einzigartig für die Wissenschaft“ eingestuft wird.

 

So ergaben dreijährige Untersuchungen in der „Pflichtfläche Harz“ mit insgesamt 1501 Kontrollen den von DNA-Analysen gestützten Nachweis von 58 Katzenindividuen – 33 männliche und 23 weibliche Tiere bei zwei unklaren Fällen. Dazu wurden 54 Lockstöcke eingesetzt. Bei dieser Methode werden mit Baldrian bestrichene Holzpflöcke verwendet, die vorbeistreifende Wildkatzen anlocken. Wenn sich die Tiere an den Stöcken reiben, bleiben Haare am rauen Holz hängen. Aus diesen wird im Labor die Erbsubstanz herausgelöst, vermehrt und analysiert. Damit gelingt vor allem die sichere Unterscheidung zwischen Haus- und Wildkatze, die ansonsten schwierig ist.

 

Die Ergebnisse für die Harz-Region als „Einfallstor“ bestätigen ein Monitoring auf einer Fläche von 42 Quadratkilometern aus den Jahren 2009/10, an dem sich der Nationalpark Harz beteiligt hatte und das für den Harz einen optimalen Lebensraum für die Wildkatze ergeben hatte.

 

1200 Freiwillige

 

Für das jetzt zu Ende gegangene Großprojekt koordinierte der BUND zahlreiche Akteure aus Behörden, Jagd, Forstwirtschaft, Wissenschaft und Ehrenamt. Insbesondere die Unterstützung durch bundesweit 1200 Freiwillige, davon allein 200 in Niedersachsen, machten den „Wildkatzensprung“ zu einem beispielhaften „Citizen Science“-Projekt, erklärte BUND-Vorsitzender Prof. Hubert Weiger. Das Projekt „Wildkatzensprung“ trage durch die Pflanzung von Korridoren zur Verbesserung der grünen Infrastruktur insgesamt bei, erklärte Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium: „Das Projekt hat Pilot-Charakter.“ Und: „Vor dieser Leistung habe ich großen Respekt.“

 

Um der Wildkatze und anderen gefährdeten Tieren eine langfristige Überlebenschance zu geben, sei die deutschlandweite Vernetzung der Wälder von großer Bedeutung, betonte bei gleicher Gelegenheit die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Prof. Beate Jessel. Was den Niedersachsen die Hausaufgaben gleichsam vorgibt: Im nördlichen Flächen-Bundesland gibt es zwei Verbreitungsschwerpunkte: Einmal der Harz mit Vorland, zum anderen der Solling, wobei der Harz das bisher nördlichste Verbreitungsgebiet der Wildkatze innerhalb Europas darstellt. Aber die Harz- und die Solling-Katzen sind räumlich wie auch genetisch weitgehend voneinander isoliert, weil ihre Lebensräume durchschnitten und von stark frequentierten Verkehrswegen umgeben sind.

 

Fortschritt online in „Wildkatzendatenbank“ einsehbar

 

Darum werde sich der BUND Niedersachsen auch nach Ende des erfolgreichen Projekts „Wildkatzensprung“ weiter einsetzen, hieß es in der Vorwoche: Mit der langfristigen Schaffung eines 20.000 Kilometer langen Waldverbundes, der große Teile Deutschlands umfasse und somit einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des länderübergreifenden Biotopverbunds leisten werde. Der Fortschritt dieser Vision in Niedersachsen sei online in der „Wildkatzendatenbank“ einsehbar.

 

Das vorrangige Ziel ist die Umsetzung eines niedersächsischen BUND-Wildkatzenwegeplanes. Von einer solchen Vernetzung würden nicht nur die Wildkatzen, sondern auch andere wandernde Tierarten wie das Rotwild profitieren. Aber noch fehlen sichere Verbindungen zu „Trittsteinwäldern“ wie etwa dem Oderwald, Elm oder Lappwald. „Von dort aus und mit unserer Hilfe könnte der Wildkatze eines Tages der Sprung in die großen, unzerschnittenen Waldgebiete der Heide gelingen. Denn dort war sie früher heimisch“, stimmt der Naturschutzverband hoffnungsvoll Zukunftsmusik an. Eine verbesserte Biotopvernetzung vom Harz ausgehend über den südlichen Hainberg zur Hebe, Sackwald und Hils zum Solling soll daher zukünftig in die Umsetzungsbestrebungen einbezogen werden.

 

Fachlich gut unterstützt sieht sich der BUND vor Ort durch die Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Harz, dem Niedersächsischen Landesamt für Wasserwirtschaft und Küstenschutz (NLWKN), der Landesjägerschaft und insbesondere der Jägerschaft Goslar.

 

Harzer Betreibermix

 

So kommen auch die lokalen Projekte rund um die Marienteichbaude wieder ins Spiel. Die auf den ersten Blick ungewöhnlichen Betreiber-Kooperationen bekommen dann einen Sinn: Den Themenwanderweg mit sechs, sieben Stationen westlich der B4 teilen sich der BUND und die Bad Harzburger Kur-, Betriebs- und Wirtschaftsgesellschaft (KTW). Für das Gehege auf rund 2000 Quadratmetern hinter der Waldgaststätte, das den Grundideen des bundesweit einmaligen Wildkatzendorfs im thüringischen Hütschenroda nachempfunden ist, zeichnen der Baudenwirt sowie der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) verantwortlich, der eigens dafür eine Gesellschaft ins Handelsregister hat eintragen lassen.

 

Durch Wechselausstellungen soll das Ganze auch auf dieser unteren Ebener vernetzt werden – und dass man gemeinsam marschiert, soll eine Doppeleröffnung im Oktober dieses Jahres signalisieren.

 


Presseinformation

Rosaroter (Alb)traum

Der Nationalpark bekämpft Bestände des Drüsigen Springkrauts

Wernigerode – Sankt Andreasberg. Bis zu drei Meter hoch, häufig in dichten Beständen, rosarot blühend, stark süßlicher Geruch – das Drüsige Springkraut (Impatiens gladulifera), auch Indisches Springkraut genannt, ist jetzt im Juli wieder unübersehbar an Straßenrändern, Gewässern, Park- und Lagerplätzen und teilweise auch in Gärten zu finden. Was auf den ersten Blick wie ein schöner Farbtupfer wirkt, ist nicht unproblematisch. Die ursprünglich im Himalaya beheimatete Pflanze breitet sich hierzulande rasant aus. Eine Pflanze kann bis zu über 4.000 Samen produzieren. Die reifen Samenkapseln platzen bei Berührung auf und schleudern die Samen bis zu sieben Meter weit. Stehen Pflanzen an einem Bach, geht die Ausbreitung umso schneller vonstatten. Auch über fließendes Wasser transportierte Pflanzenteile können bei geeignetem Untergrund zu ganzen Pflanzen heranwachsen.

Das Drüsige Springkraut bildet häufig sogenannte Dominanzbestände, das heißt die Pflanzen wachsen sehr dicht und dominieren damit einen Standort – andere Pflanzen haben hier schlechte Wachstumschancen. Über die Auswirkungen und die Folgen dieser Ausbreitung gibt es unterschiedliche Ansichten, von „sehr problematisch“ bis „praktisch kein Effekt“ ist alles dabei. Fest steht: Wenn in dichten Springkrautbeständen noch andere Pflanzenarten vorkommen, treten diese mit geringerer Produktion und Dominanz auf.

Dieser Verdrängungseffekt ist auch der Grund, warum der Nationalpark Harz seit mehreren Jahren gegen Bestände auf der Nationalparkfläche vorgeht. Als Eingangstore für invasive Neophyten aller Art (= nicht heimische Pflanzenarten, die sich erfolgreich ausbreiten und unerwünschte Auswirkungen auf Arten, Biotope oder Lebensgemeinschaften haben) erweisen sich immer wieder Parkplätze und Ortsrandlagen. Häufig gelangen Samen oder Pflanzenteile mit Grünabfällen ins Nationalparkgebiet. Der Nationalpark erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass auch die Entsorgung von Grünabfällen im Nationalpark verboten ist.

Da es sich beim Drüsigen Springkraut um eine einjährige, frostempfindliche, nur flachwurzelnde Pflanze handelt, lässt sie sich gut bekämpfen. Dabei gilt es, vor allem das Blühen und die Samenbildung der Pflanzen zu vermeiden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Am besten wirkt das Ausreißen der Pflanzen, da hier selektiv nur Drüsiges Springkraut entfernt wird und andere Pflanzen dann mit dem gewonnen Licht gute Wachstumschancen haben. Sind Flächen bereits zu groß, um die Pflanzen auszureißen, eignet sich auch Mähen oder Mulchen. Der beste Zeitpunkt hierfür ist der Zeitraum Ende Juni, bevor die ersten Pflanzen zu blühen beginnen. Ignoriert man kleinere Bestände, weil man den Eindruck hat, dass „die paar Pflanzen harmlos sind“, hat man innerhalb kürzester Zeit wirklich ein Problem. „Wehret den Anfängen“ ist in diesem Zusammenhang die definitiv beste Einstellung.

 

Noch unangenehmer wird es, wenn man es mit dem Japanischen Staudenknöterich (Fallopia japonica) zu tun hat. Auch diese Pflanze wird mehrere Meter hoch, blüht aber bei weitem nicht so auffällig. Die Blüten sind in diesem Fall auch nicht das Problem, denn Staudenknöteriche verbreiten sich vegetativ, d. h. über ihr Wurzelwerk. Bestände von Staudenknöterich sind so dicht und hoch, dass andere krautige Pflanzen keine Chance mehr haben. Im Gegensatz zum Drüsigen Springkraut sind Staudenknöteriche keine einjährigen Pflanzen, auch wenn oberirdische Pflanzenteile im Winter absterben. Abgesehen von den ökologischen Folgen, sind die wirtschaftlichen Auswirkungen nicht zu unterschätzen. Durch das ausgeprägte Wurzelwerk dieser Pflanzen sind Schäden an Gebäuden, Asphalt oder Mauerwerk keine Seltenheit. Auch die Bekämpfung gestaltet sich hier mühsamer. Da auch die kleinsten Pflanzenteile wieder austreiben und neue Pflanzen bilden können, müssen sie fachgerecht entsorgt werden. Eine Möglichkeit ist die Verbrennung durch Abfallentsorgungsanlagen.

 

Hervorragende Zusammenstellungen und weiterführende Informationen finden sich bei KORINA (Koordinationsstelle Invasive Neophyten in Schutzgebieten Sachsen-Anhalts beim UfU e.V.; www.korina.info) und beim BfN (Bundesamt für Naturschutz; www.neobiota.bfn.de).

 

 

Das beigefügte Foto ist im Zusammenhang mit dieser Pressemitteilung frei zur Veröffentlichung. Bildautor ist Jens Hundertmark.

 

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ingrid Nörenberg

 

Ingrid Nörenberg

Nationalpark Harz

Öffentlichkeitsarbeit

Lindenallee 35

38855 Wernigerode

Tel. 03943 5502-12

E-Mail: noerenberg@nationalpark-harz.de

  


Bild: nabu-wolf-munster-nord-jürgen-borris
Bild: nabu-wolf-munster-nord-jürgen-borris

 

 

Ahuuu – willkommen Wolf!

Die Rückkehr der Wölfe 


Goslarsche Zeitung vom 21.07.2017
Goslarsche Zeitung vom 21.07.2017


Medien-Information

 

Ergebnisse des Luchs-Fotofallenmonitorings 2016/17 liegen vor  

Wernigerode - Braunlage. Der Nationalpark Harz hat die Bilder aus dem großflächigen und länderübergreifenden Fotofallenmonitoring im mittleren Harz im Bereich der Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt ausgewertet. Zwischen August 2016 und März 2017 entstanden an 60 Fotofallenstandorten im Bereich etwa zwischen Goslar - Sieber im Westen und dem Bodetal und Stiege im Osten insgesamt 8689 Fotos von Wildtieren.

502 der Bilder zeigen Luchse. Anhand der charakteristischen Fleckenzeichnung wurden die Tiere voneinander unterschieden. Nach statistischer Auswertung der Daten kann von einer Anzahl von 19 selbständigen Luchsen innerhalb des 779 km² großen Untersuchungsgebiets ausgegangen werden. Dies entspricht einer Dichte von 2,4 selbständigen Luchsen je 100 Quadratkilometer. Vier der fotografierten Luchsinnen hatten Nachwuchs. Zählt man auch die insgesamt 11 Jungtiere hinzu, ergibt sich eine Dichte von 3,9 Luchsen je 100 Quadratkilometer.

Die Harzer Luchspopulation breitet sich nach wie vor aus und so konnten nicht nur innerhalb des Harzes junge Luchse nachgewiesen werden. Erstmals gelang im vergangenen Monitoringjahr (1. Mai 2016 bis 30. April 2017) ein Jungtiernachweis im Solling. Eine Luchsin führte dort sogar vier kleine Luchse. Auch bei Göttingen gab es eine Beobachtung einer solchen Familiengruppe mit zwei Jungtieren. Anders als in den Vorjahren gab es hingegen im Kaufunger Wald und im Hils keine Hinweise auf Luchsnachwuchs. Im Kaufunger Wald ist die Fuchsräude für diese Entwicklung verantwortlich.

Dass es regelmäßigen Austausch zwischen den Reproduktionsgebieten gibt, bewies zuletzt das besenderte Männchen M10. Das Tier wanderte innerhalb kurzer Zeit vom Hils in den Harz. Aber auch das große Mittelgebirge sagte dem Kuder nicht zu. Vor wenigen Wochen überquerte M10 die hessische Grenze und hält sich aktuell bei Hessisch Lichtenau auf. Mit rund 150 Kilometern (Luftlinie) bzw. ungefähr 300 Kilometern bei chronologischer Verbindung aller Nachweispunkte des Tiers ist dies die bislang längste dokumentierte Wanderung eines Harzer Luchses.

Ole Anders

Koordinator Luchsprojekt Harz

Nationalparkverwaltung Harz

Außenstelle Oderhaus

37444 Sankt Andreasberg

Tel: 05582-9189-37

Mobil: 0170-2061123

www.luchsprojekt-harz.de

www.wilde-katzen.eu